Ein Jugendlicher tippt auf einem Smartphone. Verschiedene Emoji schweben über dem Handy.

Soziale Medien: Chancen und Risiken für Jugendliche

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Ein Leben ohne Smartphone – möglich, aber sinnlos. Für Jugendliche sind Smartphones Kommunikationsmittel, Informationsquelle und Unterhaltungsmedium zugleich und aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Welche Chancen und Risiken bieten soziale Medien? Und wie lässt sich ein gesunder Umgang mit ihnen fördern?

Wofür nutzen Jugendliche das Internet?

Am meisten nutzen Jugendliche das Internet als Informationsquelle, zur Unterhaltung und zum Austausch mit anderen. Dies geschieht zum großen Teil in sozialen Netzwerken und über Messenger-Dienste. WhatsApp ist dabei der wichtigste Dienst zur Kommunikation – 92 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen ihn mehrmals pro Woche. Aber auch Foto- und Videoplattformen wie Instagram oder TikTok stehen bei Schülerinnen und Schülern hoch im Kurs.

Für Kinder und Jugendliche ist die digitale Kommunikation heutzutage ein selbstverständlicher Bestandteil der normalen persönlichen Kommunikation. Zuletzt verlagerten sich der soziale Austausch sowie die Freizeitgestaltung aufgrund der Coronapandemie noch mehr in den digitalen Raum. Dabei stiegen bei den Jugendlichen nicht nur die täglichen Nutzungszeiten, sondern auch die riskante und krankhafte Nutzung sozialer Medien und digitaler Spiele.

Wie kann man einen gesunden Umgang mit sozialen Medien fördern?

Smartphones und soziale Medien sind für die allermeisten Jugendlichen ein bedeutsamer Teil ihrer Welt und ein Leben ohne scheint nicht mehr vorstellbar. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen einen gesunden und verantwortungsbewussten Umgang mit sozialen Medien lernen.

Viele Jugendliche (aber auch Erwachsene) sind sich nicht bewusst, dass das Internet – neben all seinen Möglichkeiten – auch Risiken birgt. Um sich davor zu schützen, müssen junge Menschen lernen, wie soziale Medien funktionieren, wie man seine Daten und Privatsphäre schützen kann und wie man Falschmeldungen erkennt und einordnet. Alters- und entwicklungsgerechte Angebote und Einstellungen können jungen Menschen ein sicheres Umfeld schaffen. Aber auch Gespräche über die Medienerfahrungen und mögliche Risiken sowie das gemeinsame Erkunden sozialer Medien und Hinweise zum sicheren Online-Handeln bieten Kindern und Jugendlichen Sicherheit und Orientierung im Netz.

Soziale Netzwerke: Chancen und Risiken für Jugendliche

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Was sind die Chancen und Risiken von Social Media?

Heute ist ein Leben ohne Internet und Soziale Medien für die meisten Jugendlichen nicht mehr vorstellbar. Sie sind zentraler Ort für Kommunikation, Information und zugleich Unterhaltung. Die Freizeitgestaltung und der soziale Austausch finden immer mehr im digitalen Raum statt. Nicht nur zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie.

In den letzten zehn Jahren hat sich die tägliche Online-Zeit von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren - von deutlich über zwei Stunden im Jahr 2011 auf gut vier Stunden im Jahre 2021 - fast verdoppelt. Mädchen sind durchschnittlich etwas länger online als Jungen. Insgesamt sind 88 Prozent der Jugendlichen täglich online.

Im großen Social-Media-Kosmos werden vor allem Plattformen wie Instagram oder TikTok benutzt, oder Messenger-Dienste wie WhatsApp. Diesen nutzen gut 92 Prozent aller Teenager mehrmals die Woche. Je intensiver die Nutzung, desto öfter können auch Anzeichen von Suchtverhalten hinzukommen.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien gelingt nur, wenn neben den Chancen auch die Risiken erkannt und minimiert werden.

Soziale Medien ermöglichen problemlos den Kontakt mit Freunden zu halten und sich an anderen zu orientieren. Sich zu jeder Tageszeit einfach und anonym zu verschiedensten Themen informieren, zu diskutieren oder Unterstützung erhalten – das ist online möglich.

Mit Risiken: Die Anonymität in Netz ermöglicht nämlich auch Erwachsenen, sich Heranwachsenden auf unangemessene Weise zu nähern. Indem zum Beispiel aufgefordert wird, freizügige Bilder zu verschicken. Das nennt man Cybergrooming. Auch wenn sich Gleichaltrige intime oder private Bilder schicken, kann dies schwerwiegende Folgen haben, etwa bei ungefragter Weiterverbreitung. Dies passiert beispielsweise im Rahmen von Cybermobbing.

Zudem ist gerade bei Online-Informationen mitunter Vorsicht geboten. Falschmeldungen und Verschwörungstheorien sind weit verbreitet, auch auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen. So werden durch retuschierte Bilder falsche Körperideale vermittelt und der Druck aufgebaut, ebenfalls so auszusehen. Gefährlich wird es, wenn selbstgefährdende Handlungen verharmlost werden. Es gibt Gruppen, in denen die gegenseitige Unterstützung beim Abnehmen zu extremen Untergewicht führt und als „chic“ gilt. Sogar selbstverletzendes Verhalten wird als Lifestyle präsentiert.

Sogenannte Challenges animieren zum Mitmachen. In der Regel sind es harmlose Mutproben. Aber manche davon sind lebensgefährlich, etwa wenn bei der „Outlet-Challenge“ ein starker Stromschlag erzeugt wird.

Fakt ist – Soziale Netzwerke sind ein wichtiger Teil des Lebens von Jugendlichen. Somit ist das Wissen um die Risiken eine wichtige Grundlage für einen „gesunden“ Umgang. Der muss nicht nur durch Zugangsbeschränkungen geregelt sein. Auch das gemeinsame Erkunden und aufklärende Gespräche über die Risiken können helfen.

Mehr Informationen gibt es auf dem Portal „Pausenlos gesund“. 

Wissen ist gesund.

Umgang mit sozialen Medien spielerisch lernen

Das Portal Pausenlos gesund nimmt soziale Medien näher unter die Lupe. Hier wird erklärt, wie die Netzwerke funktionieren und worauf man bei der Nutzung achten sollte. Denn auch beim Suchen und Finden von gesundheitsbezogenen Informationen spielen die sozialen Medien inzwischen eine große Rolle. Dabei trifft man jedoch leider immer wieder auf fehlerhafte Informationen. Was der Unterschied zwischen Fehl- und Desinformation ist und warum soziale Medien oftmals keine gute Quelle sind, um sich in Gesundheitsfragen zu informieren, erfahren Sie hier.

Warum sind soziale Medien für Jugendliche wichtig?

In der öffentlichen Diskussion werden die negativen Seiten des Internets und insbesondere der sozialen Medien oft übermäßig betont. Dabei bieten soziale Medien auch vielerlei Chancen. Über sie können Jugendliche:

  • neue Informationen beziehen,
  • Freundschaften pflegen und erweitern,
  • ein Gefühl der Gruppenzugehörigkeit entwickeln und
  • sich in Selbstdarstellung üben und ausprobieren.

Dadurch unterstützen die Netzwerke die Identitätsentwicklung Jugendlicher, weil sie Beziehungen und Entwicklungen des Offline-Lebens reflektieren, ergänzen und bestärken. Jugendliche können sich mit anderen vergleichen und an ihnen orientieren. Eine Studie hat die Social-Media-Nutzung von Zehn- bis 14-Jährigen über ein Jahr beobachtet und stellte fest, dass sich die Empathie der Jugendlichen verbesserte. Nach einem Jahr konnten sie sowohl die Gefühle ihrer Altersgenossen besser verstehen als auch deren Gefühle besser teilen.

Vor allem in der Coronapandemie haben die sozialen Medien Jugendlichen geholfen, Kontakte mit Freunden aufrechtzuerhalten, sich auszutauschen oder sich durch gemeinsame Onlinespiele die Zeit zu vertreiben. Zudem bieten die sozialen Medien auch die Möglichkeit, sich einfach und anonym zu den verschiedensten Themen zu informieren, in Chats oder Foren über persönliche Probleme zu kommunizieren und Unterstützung zu erhalten.

Welche Risiken gibt es im Netz?

Neben all den Chancen und Freuden können soziale Netzwerke aber auch eine Gefahrenquelle sein – besonders für junge Menschen. Denn die meisten Inhalte im Netz sind nicht auf junge Menschen ausgerichtet. Deshalb erlauben die meisten sozialen Netzwerke die Nutzung auch erst ab frühestens 13, viele sogar ab 16 Jahren. Trotzdem können sich Kinder und Jugendliche – oft mit falschen Altersangaben – dort anmelden. In den folgenden Abschnitten werden einige Risiken beschrieben, denen Jugendliche im Internet immer wieder begegnen.

Falschinformationen

Jugendliche informieren sich in sozialen Medien über das aktuelle Tagesgeschehen und können so auch mit unseriösen, mitunter falschen Informationen konfrontiert werden. Gerade in den Jahren der Coronapandemie wurde zunehmend Fehl- und Desinformation über soziale Medien und Messenger-Dienste verbreitet. Eine Forsa-Befragung von 2022 gibt an, dass 88 Prozent der befragten 14- bis 24-Jährigen Falschmeldungen aufgefallen seien – besonders bei YouTube und Instagram. Falsche Informationen, z. B. über das Impfen, können Gesundheitsentscheidungen beeinflussen.

Cybermobbing

Wie auf dem Schulhof können auch im Netz Einzelpersonen beleidigt, bedroht, bloßgestellt oder belästigt werden. Laut Sinus-Jugendstudie 2021 haben 51 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren Erfahrungen mit sogenanntem Cybermobbing gemacht. 14 Prozent der etwa 2000 Befragten seien direkt betroffen gewesen; fünf Prozent gaben an, selbst gemobbt zu haben.

Anleitung zu selbstverletzendem Verhalten

Zwar bietet das Internet die Möglichkeit, sich auf leichtem Wege über tabuisierte Themen, wie z. B. Essstörungen, Selbstverletzungen oder Suizidgedanken, zu informieren und Hilfe zu finden. Daneben gibt es aber auch Inhalte, die solche Themen verharmlosen, dazu animieren oder sie gar verherrlichen. 

Riskante Herausforderungen

Challenges sind oftmals harmlose und spaßige Herausforderungen, bei denen sich die Teilnehmenden filmen und die Videos online stellen. Manche dieser Challenges sind aber auch gefährlich. Für Anerkennung oder zum Zeitvertreib werden Hemmschwellen und Ängste überschritten – Jugendliche gehen dabei mitunter große Risiken ein, von Sturz- über Verbrennungs- bis hin zur Lebensgefahr. Dennoch üben die Challenges einen Reiz aus, der sich durch die Peergroup, aber auch die öffentliche Dokumentation im Internet noch verstärken kann. 

Sexuelle Inhalte

Viele Jugendliche stoßen im Internet auf Darstellungen sexueller Handlungen oder auch sexualisierter Gewalt. Verbreitet unter Jugendlichen ist auch das sog. Sexting, also das Versenden von intimen Bildern unter Gleichaltrigen, z. B. um sich kennenzulernen oder zu flirten. Jugendliche sehen darin eine legitime Form der privaten Kommunikation – solange der Austausch einvernehmlich erfolgt. Jedoch kommt es auch vor, dass Bilder ohne Erlaubnis weiterverbreitet werden, z. B. aus Spaß oder Rache. Außerdem gehen sexuelle Anbahnungen nicht nur von Gleichaltrigen aus. Auch Erwachsene versuchen auf digitalen Wegen, Kinder und Jugendliche z. B. nach sexuellen Erfahrungen zu fragen, sie zu sexuellen Handlungen oder einem Treffen zu bewegen. Bei diesem gezielten Ansprechen spricht man von Cybergrooming. 

Suchtverhalten

Die intensive Nutzung sozialer Medien kann unter bestimmten Voraussetzungen zu psychischen Problemen bis hin zur Abhängigkeit führen. In einer Studie der DAK von 2017 wurde erstmals das Risiko der Abhängigkeit von sozialen Medien für Kinder und Jugendliche in Deutschland repräsentativ untersucht. Demnach zeigen 2,6 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen einen problematischen Gebrauch.

Quellen

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