Mann mit Gips-Bein und Krücken beim Arzt

Notrufnummer im Notfall: Wann wähle ich 112 oder 116117?

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Wenn ein Unfall passiert, ist oft schnelle Hilfe gefragt. Doch wann wähle ich den Notruf und welche Nummer wähle ich am besten?

Wer in Deutschland medizinische Hilfe benötigt, hat es zunächst nicht schwer. Das deutsche Gesundheits- und Versorgungssystem bildet ein dichtes Netz von leicht zugänglichen Behandlungsangeboten. Die Kosten für die medizinische Behandlung werden weitgehend von den Krankenkassen getragen. Trotz des guten Angebots ist es nicht immer einfach, sich im deutschen Gesundheitssystem zurechtzufinden, denn es gibt einiges zu beachten. Zum Beispiel wenn es auf dem Weg zur Schule zu einem Unfall kommt.

Ein Unfall auf dem Schulweg 

Am Morgen geht es im Verkehr oft hektisch zu. Alle wollen pünktlich ankommen. Fußgänger, Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs, Auto- und Radfahrerinnen drängen sich zur gleichen Zeit auf den Straßen. Da reicht ein Moment der Unaufmerksamkeit und schon ist es passiert: Zwei Verkehrsteilnehmende sind zusammengestoßen und ein Schulkind ist verletzt.

Nachdem die Zahlen der Schulwegeunfälle in den letzten Jahren rückläufig waren, ist bereits im ersten Halbjahr 2022 ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.

Schnell zum Arzt oder besser ins Krankenhaus?

Wie war das noch mal bei einem Wegeunfall? Gleich zum Arzt, aber zu welchem? Oder doch besser ins Krankenhaus, sicher ist sicher? Es ist nicht immer leicht, genau zu wissen, wann es sich um einen wirklichen Notfall handelt oder wann welcher Arzt zu konsultieren ist. Hier gibt es ein paar wichtige Informationen, die helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Welche Nummer wähle ich bei medizinischen Beschwerden?

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Welche Nummer wähle ich bei medizinischen Beschwerden?

Wenn Beschwerden einen aus dem Alltag reißen, gibt es nur ein Ziel: sie schnell wieder loswerden. Der scheinbar naheliegendste Weg führt hierbei
in die Notaufnahme. Doch oftmals handelt es sich bei den Beschwerden um gar keine Notfälle. Da die Notaufnahme mit weniger schlimmen Verletzungen oft überfüllt ist, verzögert sich die Behandlung von echten Notfällen. Das kann fatale Folgen haben.

Deshalb ist es wichtig, einen Notfall erkennen zu können. Doch auch, wenn es kein Notfall ist – manche Beschwerden können so schlimm sein, dass ein Arztbesuch nicht warten kann. Eigentlich ist es ganz einfach: 

  • Wenn Lebensgefahr besteht oder bleibende Schäden nicht ausgeschlossen werden können, wählt man den Notruf: 112.
  • Bei allen anderen medizinischen Problemen wendet man sich an den Hausarzt. 
  • Außerhalb der Sprechzeiten des Hausarztes hilft die kassenärztliche Rufbereitschaft, deutschlandweit die 116117. Diese schätzt das Problem ein und bestellt den Kranken in eine geöffnete Praxis. Oder sie schickt, bei Bedarf, einen Bereitschaftsarzt direkt nach Hause.

Deshalb: Bei allen medizinischen Problemen den Hausarzt anrufen. Wenn der nicht erreichbar ist, die kassenärztliche Rufbereitschaft: 116117. Und bei echten Notfällen: Sofort in die Notaufnahme oder 112 rufen.

Wissen ist gesund.

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Die Grafik zeigt, welche Notrufnummer man in welchem Fall wählt.

Ein Notfall, wer ist zuständig?

Da Notaufnahmen häufig überfüllt sind, lange Wartezeiten drohen und Kapazitäten für echte Notfälle bereitgehalten werden sollten, ist es gut zu wissen, ob es sich um einen Notfall handelt.

Wenn für den Verunglückten Lebensgefahr besteht oder zumindest bleibende Schäden nicht ausgeschlossen werden können, handelt es sich ganz klar um einen Notfall. Beispiele sind Bewusstlosigkeit, Atemnot, offene Knochenbrüche, stark blutende Wunden, großflächige Verbrennungen oder Vergiftungen. In solchen Fällen empfiehlt es sich, den Notruf 112 zu wählen.

Handelt es sich um keinen Notfall, kann der Betroffene eine Arztpraxis aufsuchen. Außerhalb der regulären Sprechzeiten hilft die kassenärztliche Rufbereitschaft unter der deutschlandweiten Nummer 116117. Sie kann das Problem gut einschätzen und verweist an eine geöffnete Praxis oder schickt bei Bedarf einen Bereitschaftsarzt nach Hause.

Welcher Arzt ist der richtige?

Für Laien ist es nicht immer leicht einzuschätzen, welchen Arzt, welche Ärztin sie mit ihrem Gesundheitsproblem befragen müssen. In Deutschland gibt es 34 Facharztrichtungen. Das medizinische Fachwissen ist dabei komplex und entwickelt sich stetig weiter. Für die richtige Diagnose und Behandlung gilt es eventuell, verschiedene Expertisen einzuholen.

Der Hausarzt oder die Hausärztin ist die erste Ansprechperson, wenn es um gesundheitliche Belange geht. Sie übernimmt eine vermittelnde Rolle zwischen Patienten und weiteren Spezialisten. Je länger der Hausarzt, die Hausärztin die eigenen Patienten kennt, umso besser kann er oder sie auf besondere Bedürfnisse eingehen. Mit einem ganzheitlichen Blick auf einen Erkrankten kann er oder sie gut einschätzen, ob ein Spezialist gebraucht wird und, wenn ja, welche Fachrichtung die richtige ist.

Ausnahmen hierfür stellen Situationen dar, in denen der Hausarzt nicht erreichbar ist und Notfälle eine sofortige Versorgung verlangen.

Freie Arztwahl – grundsätzlich schon, aber …

Wer gesetzlich krankenversichert ist, hat grundsätzlich eine freie Arztwahl. Aber es können nur Ärzte und Ärztinnen aufgesucht werden, die eine Kassenzulassung haben – also an einer vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen. Andere Ärzte sollten nur im Notfall konsultiert werden.

Zudem können gesetzlich Versicherte den Besuch bestimmter Fachärzte nur mit einem Überweisungsschein vereinbaren. Welche Ärztinnen erst per Überweisung tätig werden, ist im Bundesmantelvertrag geregelt.

Privatversicherte haben dagegen immer eine freie Arztwahl – es sei denn, ihr abgeschlossener Vertrag verpflichtet sie dazu, einen anderen Weg zu wählen.

Arbeits-, Schul- und Wegeunfälle

Kommt es auf dem Weg zur oder von der Arbeit, Schule, Universität etc. zu einem Unfall, handelt es sich um einen Wegeunfall. Dieser ist wie ein Arbeits- oder Schulunfall zu werten und wird nicht von den gesetzlichen Krankenversicherungen abgerechnet. Hier greifen die Unfallversicherungsträger.

Deshalb sollte man sich nach einem Wegeunfall nicht an die Hausarztpraxis, sondern an einen Durchgangsarzt, eine Durchgangsärztin wenden. Sogenannte D-Ärzte und -Ärztinnen sind bestellte Fachpersonen für Chirurgie und Orthopädie mit besonderen Kenntnissen auf dem Gebiet der Unfallmedizin. Wird doch die Hausarztpraxis aufgesucht, muss diese von der Art des Unfalls in Kenntnis gesetzt werden und eine ärztliche Unfallmeldung erstatten. Eventuell verweist auch der Hausarzt, die Hausärztin die Betroffenen an einen D-Arzt zur Weiterbehandlung.

Unterrichtsmaterialien von „Pausenlos gesund“

Das Gesundheits- und Versorgungssystem in Deutschland ist sehr komplex und nicht immer leicht zu durchschauen. Einen besseren Durchblick kann man mit unseren Lernmodulen „Wie funktioniert das Gesundheitssystem“ und „Das Versorgungssystem klug nutzen“ aus dem Medienpaket „Pausenlos gesund“ erlangen. In diesen Modulen lernen Schülerinnen und Schüler:

  • welche Akteure und Strukturen das Gesundheitssystem bestimmen,
  • wie die Krankenversicherung in Deutschland funktioniert,
  • welche Ansprechpersonen im medizinischen Versorgungssystem die richtigen sind,
  • wie man in Notfallsituationen richtig handelt,
  • welche exemplarischen Verläufe bestimmte Krankheitsfälle nehmen können.
Quellen

dpa. Statistik: Anstieg bei Schulwegunfällen: Reflektoren sollen schützen. Die Zeit [online]. 04.07.2022. https://www.zeit.de/news/2022-07/04/anstieg-bei-schulwegunfaellen-reflektoren-sollen-schuetzen [04.07.2022].

IQWiG. Gesundheitsversorgung in Deutschland [online]. 2018. https://www.gesundheitsinformation.de/gesundheitsversorgung-in-deutschland.html [26.07.2022].

Karsch-Völk M. Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle in der Hausarztpraxis, Zeitschrift für Allgemeinmedizin, 2020; 96(3) [online]. https://www.online-zfa.de/fileadmin/user_upload/Heftarchiv/ZFA/article/2020/03/5E501ED46F2B4EA4A0BDC0F66496340E_karsch_berufskrankheiten_mmk_korr.pdf [11.08.2022]. 

Stiftung Gesundheitswissen. Wohin im medizinischen Notfall? [online]. 2022. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/notfall-erste-hilfe/wohin-im-medizinischen-notfall [11.08.2022].

Stiftung Gesundheitswissen. Ärztliche Überweisung – wann und wozu? [online]. 2022. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/patient-arzt/aerztliche-ueberweisung-wann-und-wozu [11.08.2022].

Stiftung Gesundheitswissen. Was macht welcher Arzt? [online]. 2022. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/patient-arzt/was-macht-welcher-arzt [11.08.2022].

Unfallkasse Berlin. Durchgangsärzte finden [online]. 2022. https://www.unfallkasse-berlin.de/service/suche-nach-durchgangsaerzten [26.07.2022].

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