Acht weiße Tabletten liegen auf einer blauen Oberfläche

Medikament ist nicht gleich Medikament

Wissenswertes rund um Arzneimittel und Rezepte

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Ob bei Erkältungen, Entzündungen oder Schmerzen – Kinder und Jugendliche kommen schon früh mit Medikamenten in Berührung. Deshalb ist es wichtig, dass erwachsene Bezugspersonen Kinder und Jugendliche für einen richtigen Umgang mit Arzneimitteln sensibilisieren. Dies setzt voraus, dass Bezugspersonen die Wirkungen und Gefahren von Arzneimitteln einschätzen können.

Jugendliche übernehmen mit zunehmender Eigenständigkeit Verantwortung für die eigene Gesundheit. Ein besonderer Fall ist dabei der Erwerb und die Einnahme von Medikamenten. Jugendliche ab 14 Jahren können selbstständig Medikamente in der Apotheke erwerben. Bis zur Volljährigkeit findet dort allerdings eine Risikoabschätzung statt und Medikamente werden unter Umständen nicht herausgegeben. Das geschieht nicht für frei verkäufliche Arzneimittel, auch wenn diese Mittel ebenfalls Nebenwirkungen hervorrufen können.

Heranwachsende nehmen allerdings nicht nur Medikamente ein, sie werden in dieser Zeit auch stark durch das Gesundheitsverhalten ihrer nächsten und näheren Umgebung geprägt. Lehrer, Eltern, Geschwister und Freunde wirken stark auf das Selbstverständnis und die Aufmerksamkeit ein, mit welcher Kinder und Jugendliche Arzneimittel im täglichen Leben wahrnehmen. Der folgende Text erklärt daher, welche Arten von Arzneimitteln es gibt, wo sie erhältlich sind und was bei der Einnahme beachtet werden sollte.

Was unterscheidet die verschiedenen Arzneimittel?

In Deutschland können Arzneimittel in drei verschiedene Rubriken unterteilt werden: verschreibungspflichtige, apothekenpflichtige und frei verkäufliche Medikamente.

Verschreibungspflichtige Medikamente

Verschreibungspflichtige Mittel müssen von einem Arzt „verschrieben“ werden, da sie entweder eine besonders starke Wirkung haben oder aber erhebliche Nebenwirkungen auftreten können. Zumeist steigen die möglichen Nebenwirkungen in ihrer Stärke mit der Wirkung des Medikamentes an. Antibiotika sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel gehören in die Klasse der verschreibungspflichtigen Medikamente.

Bild
Die Grafik zeigt eine Tabelle, in der die verschiedenen Farben eines Medikamenten-Rezeptes erklärt werden.

Apothekenpflichtige Medikamente

Arzneimittel werden als apothekenpflichtig eingestuft, wenn sie bei richtiger Einnahme nur geringfügige Nebenwirkungen auslösen können. Wie die Bezeichnung schon sagt, dürfen apothekenpflichtige Medikamente nur in einer Apotheke zum Verkauf stehen. So wird sichergestellt, dass in der Apotheke eine Beratung zur Verwendung und Dosierung des Mittels erfolgen kann. Leichte Schmerzmittel sowie schleimlösende und fiebersenkende Mittel sind zumeist nur in der Apotheke erhältlich. Allerdings ist für den Kauf kein Rezept erforderlich.

Frei verkäufliche Mittel

Frei verkäufliche Arzneimittel bieten nicht nur Apotheken an, sondern auch ohne Beratung Drogerien und Supermärkte. Sie haben bei korrekter Anwendung in der Regel keine Nebenwirkungen. Diese Mittel sind explizit nicht dazu gedacht, bestimmte Krankheiten zu heilen, vielmehr sollen sie geringfügige Beschwerden lindern und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Tees sind wohl das bekannteste frei verkäufliche Arzneimittel, aber auch Heilwässer oder Heilerde gehören in diese Kategorie.

Video: Medikamente mit oder ohne Rezept?

Video als Text

Was ist der Unterschied zwischen verschreibungspflichtigen, apothekenpflichtigen und freiverkäuflichen Arzneimitteln?

In Deutschland wird zwischen verschreibungspflichtigen, apothekenpflichtigen und freiverkäuflichen Arzneimitteln unterschieden. Doch was ist was? Und warum wird unterschieden? 

Arzneimittel werden als verschreibungspflichtig eingestuft, wenn sie von einem Arzt oder einer Ärztin verordnet werden müssen. Zum Beispiel, weil sie eine besonders starke medizinische Wirkung haben oder starke Nebenwirkungen auftreten können. 

Verschreibungspflichtige Arzneimittel werden auch als rezeptpflichtige Arzneimittel bezeichnet – weil man sie nur gegen Vorlage eines ärztlichen Rezepts bekommt. Dementsprechend können sie nur von einer Apotheke abgegeben werden. Verschreibungspflichtige Arzneimittel sind zum Beispiel Antibiotika, Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck oder Diabetes, aber auch einige Schlaf- und Beruhigungsmittel.

Apothekenpflichtige Arzneimittel dürfen nur von der Apotheke abgegeben werden. Bei ihnen können bei normalem Gebrauch meist nur geringfügige Nebenwirkungen auftreten. Deshalb dürfen sie auch ohne ärztliche Verschreibung – aber nur nach Beratung in der Apotheke – erworben werden. Beispiele für apothekenpflichtige Arzneimittel sind leichte Schmerzmittel, etwa zur Behandlung von Kopfschmerzen, und schleimlösende oder fiebersenkende Mittel gegen Erkältungskrankheiten. 

Arzneimittel, die ohne großes Gesundheitsrisiko benutzt werden können, dürfen auch frei verkauft werden. Solche Arzneimittel sind nicht dazu gedacht, Krankheiten zu heilen. Vielmehr sollen sie Beschwerden lindern und das Wohlbefinden verbessern. Zu diesen freiverkäuflichen Arzneimitteln gehören unter anderem Heilwässer, Heilerde und Tees. Freiverkäufliche Arzneimittel können in Drogerien und Supermärkten gekauft werden, aber auch in Apotheken.

So gibt es für jedes Arzneimittel die richtige Anlaufstelle.

Wissen ist gesund.

Pflanzliche Arzneimittel – die harmlose Alternative?

Eine Besonderheit unter den Medikamenten sind pflanzliche Arzneimittel. Aufgrund des Zusatzes „pflanzlich“ gehen viele Menschen davon aus, dass diese Medikamente keinen Schaden anrichten können oder keine Nebenwirkungen haben. Dies stimmt so allerdings nicht.

Pflanzliche Arzneimittel müssen genauso wie andere herkömmliche Medikamente vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen werden. Es dürfen nur Pflanzenteile enthalten sein, d.h. keine tierischen oder chemischen Zusatzstoffe. Zum anderen müssen sie dafür vorgesehen sein, bestimmte Krankheiten zu heilen, zu lindern oder ihnen vorzubeugen und diese Wirkung auch in einer klinischen Studie nachgewiesen haben. Diese Überprüfung ist ein wichtiger Unterschied zu homöopathischen Mitteln, welche sich nicht nach medizinisch-wissenschaftlichen Grundsätzen richten.

Wie bei anderen Medikamenten auch ist es sinnvoll, sich vor der ersten Einnahme von pflanzlichen Arzneimitteln in einer Apotheke beraten zu lassen. Die Wirkstoffe in pflanzlichen Mitteln können nämlich Nebenwirkungen haben, so zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen und Hautbeschwerden. Außerdem kann es bei falscher Anwendung zu erhöhtem Blutdruck bis hin zu Vergiftungen kommen. Wer bereits andere Medikamente nimmt, sollte sich vorab ärztlichen Rat einholen. Pflanzliche Arzneimittel können die Wirkung von anderen Medikamenten verstärken oder abschwächen und damit die Behandlung stark beeinflussen.

Unterrichtsmaterialien von „Pausenlos gesund“

Schülerinnen und Schüler übernehmen im jugendlichen Alter immer mehr Verantwortung für ihre eigene Gesundheit. Das bezieht sich auch auf die eigenständige Einnahme von Medikamenten. Die richtige Anwendung von Arzneimitteln kann dabei schon einmal Probleme bereiten. Das Lernmodul „Arzneimittel richtig anwenden“ aus dem Medienpaket „Pausenlos Gesund“ kann Jugendliche auf eine sichere Anwendung vorbereiten. In diesem Modul lernen die Schülerinnen und Schüler

  • die Unterschiede zwischen Kategorien von Arzneimitteln kennen,
  • ungesundes Konsumverhalten und Suchtpotenziale zu erkennen,
  • Verhaltensregeln im Umgang mit Medikamenten,
  • die Bedeutung von Neben- und Wechselwirkungen.
Quellen

Bundesapothekenkammer. (2019, 12. November). Arbeitshilfe der Bundesapothekerkammer zur Qualitätssicherung: Hinweise zur Abgabe von Arzneimitteln an Minderjährige. https://www.apothekerkammer-bremen.de/Infos-A-Z-Arzneimittelabgabe-an-Minderjaehrige.html?newsID=577

Greiner, W. (2021). Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung: Bd. 36. DAK Kinder- und Jugendreport 2021: Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Schwerpunkt: Suchterkrankungen (A. Storm, Hg.). medhochzwei.

Stiftung Gesundheitswissen. (2022a, 27. Juni). Medikamente in der Apotheke oder online kaufen - das sollten Sie wissen. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/kompetenz-gesundheit/medikamente-der-apotheke-oder-online-kaufen-das-sollten-sie

Stiftung Gesundheitswissen. (2022b, 27. Juni). Pflanzliche Arzneimittel: Nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/kompetenz-gesundheit/pflanzliche-arzneimittel-nicht-ohne-risiken-und-nebenwirkungen

Techniker Krankenkasse. (2022). Kinder und Arzneimittel - Verordnungsreport 2022.

Udo Puteanus. (2015). Arzneimittel bei Kindern und Jugendlichen: Tagungsdokumentation der Fachtagung Sozialpharmazie : eine Kooperationsveranstaltung mit der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen am 3. und 4. Juni 2014 in Düsseldorf. Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW).

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